Linda Mülli

Rituals in an International Work Environment: An Anthropological Research Study on Cross-cultural Relations and Interactions in United Nations Affiliated Organizations in Geneva and Vienna

In meinem kulturanthropologischen Forschungsprojekt untersuche ich Arbeits- und Lebenswelten im Kontext der Organisation der Vereinten Nationen (UNO).
Unter der Annahme, dass diese Schirmorganisation als Mikrokosmos oder third place eine spezifische Arbeitskultur hervorzubringen vermag, findet meine Feldforschung primär in den UNO-Hauptquartieren in Genf und Wien statt und fokussiert dort auf ausgewählte Unterorganisationen. Der kulturanthropologische Blick folgt den Perspektiven der Akteur_innen – Mitarbeiter_innen der Vereinten Nationen – und fragt einerseits nach den Charakteristiken dieses doch sehr geschlossenen (Arbeits-)Systems und andererseits wie die Kulturen übergreifenden Beziehungen und Interaktionen innerhalb der UNO auf Berufskarrieren und Biografien einwirken. Ein besonderes Interesse gilt dabei den Interaktionen im (Arbeits-)Alltag (ritualized cross-cultural interactions) und der Frage wie dadurch nicht nur die UNO-Arbeitskultur, sondern auch die Identitäten der UNO-Mitarbeiter_innen gebildet und geformt werden. Diese Arbeitskultur wird also in einem engen Zusammenhang mit der kulturellen Praxis verstanden, die ich in Anlehnung an Pierre Bourdieu als transnationalen Habitus (transnational habitus) oder Habitus des transnationalen Lebens und Arbeitens (habitus of transnational life and work) bezeichne. Dieser Habitus des transnationalen Lebens und Arbeitens tritt im Zusammenhang der Karrieren und Biografien der UNO-Mitarbeiter_innen und deren Familienmitglieder in Erscheinung.
Empirisch umfasst mein multi-methodisches Forschungsunterfangen Fallstudien an mehreren Orten, wobei die Auswertung qualitativer Interviews mit relevanten Akteur_innen mit einer diskursiven Datenanalyse ausgewählter UNO-Publikationen zum Thema Personalwesen kombiniert wird. In diesem Sinne orientiert sich diese kulturanthropologische Forschung auch direkt an UNO-internen Diskussionen.


Keywords: Habitus of transnationalism; ritualized cross-cultural interactions; work culture(s); careers; biography studies; organizational anthropology; migration and transnational studies; United Nations Organization.

 

Supervisor: Walter Leimgruber

Co-Supervisor: Irene Götz (LMU München)

 

Bio:
Linda Martina Mülli ist Doktorandin am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel. Ihre Dissertation wird als Cotutelle de thèse und in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München realisiert. In ihrem Forschungsprojekt untersucht sie Arbeitskultur(en) und Berufskarrieren sowie Biografien im Kontext der Organisation der Vereinten Nationen (UNO). Ihre Feldforschung findet dabei hauptsächlich in den UNO-Hauptquartieren in Genf und Wien statt. Sie arbeitete bei der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), der Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) sowie bei der Ständigen Mission der Schweiz beim Büro der UNO und den anderen internationalen Organisationen in Wien.
Zwischen 2007 und 2014 studierte Mülli Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Geschichte und Hispanistik in Basel, Madrid, Sevilla und Wien. Sie forschte im Rahmen ihrer Masterarbeit zu Arbeitskultur(en) und Anpassungsstrategien an flexibilisierte Arbeit aus der Perspektive der Mitarbeiter_innen eines Schweizer KMUs (Titel: “Es fordert einfach eine Flexibilität, einen Input und eine Begeisterung.” Zur Subjektivierung von Wissensarbeit in einem Schweizer Beratungsunternehmen).
2015 wurde sie in die Graduate School of Social Sciences (G3S) der Universität Basel aufgenommen und durch ein G3S-Startstipendium gefördert. Ausserdem ist sie Mitglied im internationalen Doktoratsprogramm Transformations in European Societies. 2016 erhielt sie ein Doc.CH-Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) (http://p3.snf.ch/project-165292).